Von der Odenwälder Weininsel in das sonnige Rhônetal – eine Reise, die mehr bewegt hat als nur Pedale.
Es gibt Momente, in denen Europa nicht auf Papier, sondern auf dem Asphalt geschrieben wird – Kilometer für Kilometer, Begegnung für Begegnung. Als sich unsere vier Radfahrerinnen am 10. Oktober auf dem Marktplatz in Groß-Umstadt versammelten, lag eine spürbare Energie in der Luft. Verabschiedet von Freunden und Unterstützern, starteten sie nicht nur zu einer sportlichen Herausforderung über 840 Kilometer, sondern zu einer Mission der Menschlichkeit. Im Gepäck hatten sie nicht nur Proviant, sondern auch eine Spende für den Verein „Handicap“ in unserer Partnerstadt. Diese Geste unterstreicht, worum es bei unserer Verschwisterung im Kern geht: Solidarität und das Einstehen füreinander, über Landesgrenzen hinweg.
Auf den Spuren der Geschichte entlang des Rheins
Die erste Etappe führte die Gruppe aus dem vertrauten Hessen hinein in die Geschichte unseres Kontinents. Über Speyer und Wanzenau ging es nach Neuf-Brisach. Hier, wo einst der Sonnenkönig Ludwig XIV. seine Macht durch die beeindruckende Festung von Vauban demonstrierte, radelten unsere Botschafterinnen durch ein heute offenes und friedliches Europa. Ein besonderer Halt wurde in Breisach eingelegt – einer Stadt, die sich bereits 1950, kurz nach den Schrecken des Krieges, dem Europagedanken verschworen hatte. Diese historischen Orte erinnerten uns daran, dass die Freiheit, die wir heute genießen, ein kostbares Gut ist. Die Strecke von 330 Kilometern in den ersten Tagen war geprägt von Entdeckerfreude und dem Bewusstsein, auf historischen Pfaden zu wandeln, die einst trennten und heute verbinden.
Wenn der Regen den Zusammenhalt stärkt
Doch eine solche Tour d’Amitié ist kein reines Schönwetter-Vergnügen. Auf dem Weg von Montbéliard nach Dole und weiter Richtung Chalon-sur-Saône zeigte sich der Herbst von seiner rauen Seite. Während der Fahrt entlang des malerischen Doubs und der Saône wurden unsere Fahrerinnen auf eine harte Probe gestellt. Schlammige Schotterpisten und heftige Regenschauer forderten Körper und Geist, und als dann noch ein Hinterreifen den Geist aufgab, war Teamgeist gefragt. Genau hier zeigte sich der Wert einer starken Begleitung: Dank Reinhold und Ulli, die als Support-Team mit trockenen Jacken und technischer Hilfe zur Stelle waren, konnte auch diese Hürde gemeistert werden. Doris, Anne, Barbara und das gesamte Team kämpften sich durch den Matsch – motiviert von dem Wissen, dass in Saint-Péray Freunde warten. Diese Etappen lehrten uns, dass man gemeinsam auch durch stürmische Zeiten kommt.
Ankunft im Licht der Freundschaft
Wie bestellt riss der Himmel für die finale Etappe von Macon nach Saint-Péray auf. Bei strahlendem Sonnenschein und mit dem majestätischen Panorama der Weinberge vor Augen, näherten sich die Frauen ihrem Ziel. Ein Gänsehautmoment ereignete sich bereits in Châteaubourg: Dort wartete eine Gruppe französischer Radfahrer – genau jene Männer, die im Vorjahr den umgekehrten Weg nach Groß-Umstadt geradelt waren. Dass sie unseren Damen nun entgegenkamen, um die letzten Kilometer gemeinsam zu bestreiten, ist ein wunderbares Symbol für die Gegenseitigkeit unserer Partnerschaft.
Der Empfang in Saint-Péray war herzlich und überwältigend. Mitglieder des dortigen Komitees, der Bürgermeister und viele Freunde empfingen die Delegation mit offenen Armen, Blumen und dem obligatorischen Umtrunk. Die Partnerschaft, die seit 1966 besteht und auf Weinbau und Kultur fußt, wurde an diesem Tag durch sportlichen Ehrgeiz und menschliche Wärme neu belebt. Der Abend klang im Restaurant „Auberge de Crussol“ aus, wo bei gutem Essen und französischen Weinen die Strapazen der Reise schnell vergessen waren. Es sind diese Abende, an denen wir spüren, dass Groß-Umstadt und Saint-Péray längst eine große Familie geworden sind.
Werde Teil unserer europäischen Familie
Diese Reise hat gezeigt, dass Verschwisterung weit mehr ist als offizielle Unterschriften in goldenen Büchern. Sie ist Schweiß, Lachen, gegenseitige Hilfe und das Teilen von Erlebnissen. Du hast Lust bekommen, solche Momente selbst zu erleben? Ob sportlich aktiv, kulturell interessiert oder einfach neugierig auf andere Lebensarten – unser Verschwisterungskomitee bietet dir viele Möglichkeiten, Europa hautnah zu spüren. Wir laden dich herzlich ein, Teil dieser lebendigen Freundschaft zu werden, sei es bei der nächsten Bürgerreise oder als aktives Mitglied in unserem Verein.