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Patenstadt Kirchberg: Herzliche Tage zwischen Mauer, Meisterhaus und Steigerlied

von Verschwisterung Groß-Umstadt
| 7 min Lesezeit
Gruppenfoto vor dem Wandbild „Kirchberg Anno 1720“ in der Patenstadt Kirchberg

Vom 2. bis 4. Oktober 2026 machten sich neun Mitglieder unseres Vereins im Bürgerbus auf den Weg nach Sachsen, auf von Bürgermeisterin Dorothee Obst in unsere Patenstadt Kirchberg. Die „Stadt der sieben Hügel“ liegt im Rödelbachtal im Landkreis Zwickau und zählt sechs Stadtteile. Was uns dort erwartete, war ein Wochenende voller Geschichte, Kultur und einer Gastfreundschaft, die vom ersten Moment an von Herzen kam.

Die Verbindung zwischen und Kirchberg reicht zurück in die Zeit der Wiedervereinigung: Wie der Wikipedia-Artikel über Kirchberg festhält, besteht die Partnerschaft seit 1990. Unsere mit gibt es seit 1966, bereichert unser Netzwerk seit 1988 und komplettierte unser europäisches Kleeblatt im Jahr 2010. Kirchberg ist dagegen unsere mitten in Deutschland, und am selben Wochenende waren zwei weitere Mitglieder beim Verschwisterungsfest Asso 2026 in der Lombardei unterwegs. Selten war unser Verein so weit über Europa verteilt.

Ziegelsteinriesen im Vogtland: Elstertal- und Göltzschtalbrücke

Schon die Anreise hielt besondere Eindrücke bereit. Unser erster Zwischenstopp führte uns zur Elstertalbrücke, deren gewaltige Bögen aus Ziegelstein sich aus dem herbstlichen Grün erheben. Auf der Plattform direkt an den Pfeilern wirkten wir neben dem Bauwerk beinahe winzig.

Kurz darauf wartete die Göltzschtalbrücke, die als größte Ziegelsteinbrücke der Welt gilt. Beide Brücken gehören zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der sächsischen Ingenieurskunst. Wer mehr über die Geschichte dieses Giganten erfahren möchte, findet sie ausführlich im Wikipedia-Artikel zur Göltzschtalbrücke.

Mödlareuth: Ein Dorf, das man „Little Berlin“ nennt

Ein nachdenklicher Höhepunkt der Hinfahrt war der Besuch in Mödlareuth. Durch das kleine Dorf mit heute rund 50 Einwohnern verlief ab 1949 die innerdeutsche Grenze, und zwar mitten durch den Ort. Mauer, Stacheldraht und Wachturm machten die Teilung Deutschlands hier so unmittelbar sichtbar, dass Mödlareuth bis heute den Beinamen „Little Berlin“ trägt.

Im Deutsch-Deutschen Mödlareuth erfuhren wir, wie die Grenze über Jahrzehnte Familien, Nachbarn und Freunde voneinander trennte. Alte Schilder mit der Aufschrift „Achtung! Bachmitte Grenze“ erzählen davon ebenso wie das Telegramm einer geflüchteten Familie, die ihren Angehörigen knapp mitteilte: „Sind jetzt in der BRD, sind gut angekommen“.

Draußen steht bis heute ein Stück der Originalmauer. Für uns war dieser Halt bewegend und lehrreich zugleich, denn er zeigt, wie kostbar offene Grenzen sind, in Deutschland genauso wie in ganz Europa.

Herzlicher Empfang in der Stadt der sieben Hügel

Am Abend erreichten wir schließlich Kirchberg, wo uns Bürgermeisterin Dorothee Obst und ihr Ehemann Heiko Obst herzlich empfingen. Beim gemeinsamen Abendessen in einem traditionellen Restaurant wurde erzählt, gelacht und schon über die weitere Zusammenarbeit unserer beiden Städte nachgedacht.

Mit am Tisch saßen auch Sekretärin Angela Schott und Karin Ulich, die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, jeweils mit ihren Partnern. Beide haben sich mit großem Einsatz um die und um uns Gäste aus Groß-Umstadt gekümmert, und dafür sind wir ihnen sehr dankbar.

Schon an diesem ersten Abend wurde deutlich, dass die Verbindung zwischen Groß-Umstadt und Kirchberg weit mehr ist als eine offizielle Partnerschaft. Sie lebt vom persönlichen Kontakt, von gegenseitiger Wertschätzung und von der der Menschen.

Gruppenfoto vor dem Wandbild „Kirchberg Anno 1720“ in der Patenstadt Kirchberg

Samstag: Feuerwehr, Teamgeist und eine Prise Sächsisch

Der Samstag in der Patenstadt Kirchberg begann sportlich. Beim kreisweiten Feuerwehrwettbewerb beobachteten wir die verschiedenen Gruppen, von der Jugendfeuerwehr bis zu den erfahrenen Teams, und staunten über ihr Können, ihre Einsatzbereitschaft und ihren Teamgeist. Schläuche wurden in Windeseile gekuppelt, Pumpen angeworfen, und am Rand wurde kräftig angefeuert.

Für ein breites Schmunzeln sorgten die T-Shirts eines Teams, auf denen in großen Lettern „Dadüdada Danden“ prangte. Wer kein Sächsisch spricht: Gemeint sind die „TaTüTaTa Tanten“, und spätestens damit hatten die Damen unsere Herzen gewonnen.

Das Meisterhaus: Wo Kirchbergs Tuchmacher weiterleben

Anschließend führte uns Bürgermeisterin Dorothee Obst durch das Meisterhaus. Das ehemalige Haus der Tuchweber konnte unter ihrer Anleitung vor dem Abriss bewahrt und aufwendig renoviert werden. Heute beherbergt es die Bibliothek, Räume für Kunstausstellungen, das Textil- und Heimatmuseum sowie die Ausstellung der Kirchberger Modelleisenbahner.

Beim Rundgang erfuhren wir viel über die Geschichte Kirchbergs, in der das Tuchmacherhandwerk über Jahrhunderte der wichtigste Erwerbszweig war. Besonders beeindruckt hat uns die kunstvoll geschnitzte Gildetür der Tuchmacher, ebenso ein zarter, vollständig geklöppelter Blumenstrauß.

Zwischen rauen Steinwänden leuchtete eine Sammlung aus Uranglas unter Schwarzlicht in einem fast unwirklichen Grün. Und vor der liebevoll gestalteten Modellbahn „De Bimm“ hätten wir noch lange stehen bleiben können.

Altstadtfest Kirchberg: Bergmannsklänge und eine Spritze mit Humor

Am Nachmittag stand das Kirchberger Altstadtfest auf dem Programm, und die Patenstadt Kirchberg zeigte sich von ihrer fröhlichsten Seite. Straßenkünstler, Handwerker, Vereine, Musikgruppen, Gewerbetreibende und Gastronomen verwandelten die Altstadt in einen bunten Festplatz mit zahlreichen kulinarischen Angeboten.

Musikalisch prägte die Schneeberger Bergkapelle in ihren prächtigen Bergmannsuniformen mit rotem Federbusch das Fest. Gleich daneben grüßte eine historische Feuerwehrspritze der FF Kirchberg am grünen Traktor mit dem Spruch „Nicht zu schnell, sonst brennts nicht hell!“.

Auch für die jüngsten Gäste gab es viele kostenlose Angebote. Bürgermeisterin Obst betonte, wie wichtig es ihr ist, dass diese Angebote für Kinder kostenfrei sind und damit allen Familien offenstehen. Ein Gedanke, der uns sehr gefallen hat.

Ein Abend im Partykeller und das Steigerlied

Am Abend waren wir bei Dorothee und Heiko Obst zu Hause zu Gast. In gemütlicher Runde im Partykeller entwickelte sich ein lebhafter Austausch, bei dem viel erzählt, gelacht und über die Zukunft unserer Städtefreundschaft gesprochen wurde.

Für einen ganz besonderen Abschluss sorgte die Bürgermeisterin selbst: Sie stimmte das Steigerlied an, das traditionelle Lied aus dem sächsischen Bergbau. Gemeinsam ließen wir den ereignisreichen Tag in herzlicher Atmosphäre ausklingen.

Geselliger Abend bei Bürgermeisterin Dorothee Obst im Partykeller

Was die Patenstadt Kirchberg für uns bedeutet

Am Sonntag fiel der Abschied entsprechend herzlich aus. Die gemeinsamen Tage haben uns viele neue Eindrücke und persönliche Begegnungen geschenkt und einmal mehr gezeigt, wie wichtig solche Besuche für eine lebendige Städtepartnerschaft sind.

Gerade der Halt in Mödlareuth hat uns vor Augen geführt, dass Verständigung nie selbstverständlich ist. , und ein humanistisches Weltbild, die Ziele unseres gemeinnützigen Komitees, beginnen nicht erst an den Grenzen Europas, sondern überall dort, wo Menschen aus Hessen und Sachsen gemeinsam am Tisch sitzen. Deshalb ergänzt Kirchberg unsere Partnerstädte in Frankreich, Portugal und Italien auf ganz eigene Weise.

Ein besonderer Dank gilt der Stadt Groß-Umstadt, die uns den Bürgerbus zur Verfügung gestellt hat. Die Kosten für die Fahrt hat unser Verein übernommen, und mit ein paar Ladestopps brachte uns der Bus sicher zurück auf die Odenwälder Weininsel.

Bürgerbus Groß-Umstadt an einer Schnellladesäule auf der Heimfahrt

Komm mit auf die Busreise nach Kirchberg

Schon jetzt gibt es Pläne für ein Wiedersehen: Im kommenden Jahr soll eine organisierte nach Kirchberg stattfinden. So bekommen auch weitere interessierte Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit, die Patenstadt Kirchberg und vor allem ihre aufgeschlossenen und gastfreundlichen Menschen kennenzulernen.

Wenn du dabei sein möchtest, behalte unseren Veranstaltungskalender im Blick oder komm zu einem unserer Stammtische, etwa am 14. oder am 25. Oktober, und lass dir von der Reise erzählen. Und wenn du Freundschaft über Grenzen hinweg selbst erleben willst, dann werde jetzt Mitglied und gestalte mit uns ein offenes, freundschaftliches Europa.

Verschwisterung Groß-Umstadt

Verschwisterung Groß-Umstadt

Verschwisterung steht für das Verschwisterungskomitee der Stadt Groß-Umstadt, das sich der Förderung der europäischen Freundschaft und des kulturellen Austauschs widmet. Mit Partnerstädten in Frankreich, Portugal und Italien organisiert das Komitee vielfältige Veranstaltungen, Begegnungen und Projekte – von Schüleraustauschen über Städtepartnerschaftsfeste bis zu Benefizaktionen. Der Standard-Autor „Verschwisterung“ veröffentlicht Beiträge zu den Aktivitäten, Berichten und Plänen des Komitees und bietet Einblicke in gelebte internationale Partnerschaft.

Patenstadt Kirchberg: Herzliche Tage zwischen Mauer, Meisterhaus und Steigerlied

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